Prozentangaben bei Gesichtsseren: was sie aussagen
- Redaktion wellness-kosmetik-shop.de
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Auf vielen Gesichtsseren steht eine Prozentzahl, groß und gut sichtbar. Sie wirkt wie eine exakte Messgröße und lädt zum Vergleichen ein. Tatsächlich ist sie eine freiwillige Angabe, deren Bezug nicht immer eindeutig ist.
Freiwillige Angabe statt Pflichtfeld
Für kosmetische Mittel in der EU ist die Liste der Bestandteile vorgeschrieben. Sie nennt alle Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Die Anteile selbst müssen nicht angegeben werden.
Eine Prozentzahl auf der Vorderseite ist deshalb eine Auslobung. Der Hersteller entscheidet, ob er sie nennt, für welchen Stoff und in welcher Form. Im Vergleichsschema dieses Portals wird sie daher mit dem Zusatz "laut Hersteller" geführt und nicht als eigenes Sortierfeld.
Worauf sich die Zahl beziehen kann
Dieselbe Zahl kann Unterschiedliches bedeuten. Diese Lesarten kommen vor:
| Bezug der Angabe | Bedeutung |
|---|---|
| Reiner Wirkstoff | Anteil des Stoffes selbst an der Rezeptur |
| Rohstoff oder Lösung | Anteil einer Vormischung, die den Wirkstoff nur zum Teil enthält |
| Wirkstoffkomplex | Summe mehrerer Stoffe unter einem Sammelnamen |
| Anteil natürlichen Ursprungs | Aussage über die Herkunft der Rezeptur, nicht über einen Wirkstoff |
Steht auf einem Etikett nur eine Zahl mit einem Fantasienamen, lässt sich der Bezug von außen nicht klären. Dann hilft nur die Nachfrage beim Hersteller.
Hinzu kommt die Bezugsgröße. Prozentangaben in Rezepturen beziehen sich üblicherweise auf das Gewicht. Auf dem Etikett steht dieser Zusatz selten. Auch ob die Zahl gerundet wurde, bleibt offen. Für einen Datenvergleich ist die Angabe damit zu ungenau, um Produkte danach zu sortieren.
Warum mehr nicht automatisch besser ist
Eine höhere Zahl wirkt überzeugender. Für die Haut gilt dieser Zusammenhang nicht ohne Weiteres:
- Manche Stoffe werden in höheren Konzentrationen schlechter vertragen.
- Die Wirkung hängt auch von der übrigen Rezeptur ab, etwa vom pH-Wert und von der Form, in der ein Stoff vorliegt.
- Für einige Stoffe gelten in der EU Höchstgrenzen. Eine Angabe oberhalb des Zulässigen wäre kein Qualitätsmerkmal.
Für den Vergleich bedeutet das: Zwei Seren mit derselben Prozentzahl sind nicht zwingend gleichwertig, und zwei Seren mit unterschiedlichen Zahlen lassen sich nicht einfach in eine Rangfolge bringen.
Was die INCI-Liste zusätzlich verrät
Die Zutatenliste erlaubt eine grobe Plausibilitätsprüfung. Stoffe mit einem Anteil unter einem Prozent dürfen in beliebiger Reihenfolge stehen, alle anderen folgen absteigend. Wirbt ein Serum mit einem hohen Anteil eines Stoffes, sollte dieser entsprechend weit vorn zu finden sein.
Mehr als eine Einordnung ist damit nicht möglich. Wie die Liste aufgebaut ist und wo ihre Grenzen liegen, steht im Beitrag zur INCI-Reihenfolge.
Ein Beispiel für die Plausibilitätsprüfung: Steht der beworbene Stoff hinter Konservierungsstoffen oder Duftstoffen, die üblicherweise nur in kleinen Mengen eingesetzt werden, passt eine hohe Prozentangabe nicht recht ins Bild. Möglicherweise bezieht sich die Zahl dann auf eine Lösung oder einen Komplex und nicht auf den reinen Stoff.
Kurz gesagt: Prozentangaben sind freiwillige Herstellerangaben mit unterschiedlichem Bezug. Vergleichen Sie sie nur, wenn derselbe Stoff in derselben Form gemeint ist, und prüfen Sie die Angabe an der INCI-Liste auf Plausibilität.
So vergleichen Sie Seren trotzdem
Auch ohne belastbare Konzentrationswerte lässt sich ein Serum nach Daten einordnen:
- Stoffgruppe bestimmen. Welcher Stoff steht im Mittelpunkt, und wie heißt er in der INCI-Liste?
- Form des Stoffes notieren. Viele Wirkstoffe gibt es in mehreren Abkömmlingen mit eigenen Bezeichnungen.
- Prozentangabe als Herstellerangabe vermerken. Mit dem Wortlaut des Etiketts.
- Füllmenge und Behälter erfassen. Pipette, Pumpspender oder Tube beeinflussen Dosierung und Schutz vor Luft und Licht.
- Preis pro Milliliter berechnen. Nur innerhalb derselben Stoffgruppe vergleichen.
Welche Felder für Cremes gelten, zeigt der Beitrag Gesichtscreme vergleichen.
Halten Sie außerdem die Haltbarkeit nach dem Öffnen fest. Einige Wirkstoffe gelten als empfindlich gegenüber Luft und Licht. Hersteller wählen deshalb häufig dunkle Flaschen oder Spender ohne Luftkontakt. Ein großes Gebinde ist nur dann sinnvoll, wenn Sie es innerhalb der genannten Frist aufbrauchen.
Hinweise für die Anwendung
Wer ein neues Serum mit einem hervorgehobenen Wirkstoff ausprobiert, sollte behutsam beginnen. Beachten Sie die Gebrauchsanweisung des Herstellers, insbesondere Hinweise zur Häufigkeit und zum Sonnenschutz.
Reagiert die Haut mit anhaltender Rötung, Brennen oder Schuppung, setzen Sie das Produkt ab. Bei starken oder länger dauernden Beschwerden ist eine hautärztliche Abklärung sinnvoll. Kosmetische Mittel sind keine Arzneimittel, und eine Zahl auf dem Etikett ist kein Wirkversprechen.
Häufige Fragen
Müssen Hersteller die Konzentration eines Wirkstoffs angeben?
Nein. Vorgeschrieben ist die Liste der Bestandteile in absteigender Reihenfolge, nicht deren Anteil. Prozentangaben sind freiwillige Auslobungen.
Ist ein Serum mit höherer Prozentzahl besser?
Das lässt sich aus der Zahl nicht ableiten. Höhere Konzentrationen können auch die Haut stärker beanspruchen. Zudem ist nicht immer klar, worauf sich die Angabe bezieht.
Kann ich die Konzentration aus der INCI-Liste berechnen?
Nein. Die Liste gibt nur die Reihenfolge an. Sie erlaubt eine grobe Einordnung, aber keine Berechnung einzelner Anteile.

